| Tanzeinlage einer Schulklasse |
| Polizeimarsch |
Wir haben dieses Datum
besonders eindrucksvoll erleben dürfen. Unsere Mentorin Satyavati
hat uns zu einer der größten Polizeistationen in Telangana mitgenommen, wo an
dem Tag eine große Parade stattfand, um den Independence Day zu feiern. Ihr
wurde in diesem Rahmen außerdem ein Preis verliehen – ein Grund mehr, an der
Festlichkeit teilzunehmen. Ohne große Erwartungen sind wir zu der großen Polizeistation gefahren mit den Informationen, es werde die
Nationalfahne und Preise für besondere Leistungen für
die BürgerInnen der Stadt verliehen werden. Was wir tatsächlich an diesem Tag sehen
konnten, übertraf alles, was uns von dem Feiern der Unabhängigkeit im Vorfeld
von den Rückkehrern berichtet wurde.
| Der Minister von Telangana im geschmückten Jeep |
| Eine von vielen Tanzaufführungen von Schülern verschiedener Schulen |
Nach einigen musikalischen
Einlagen der Polizeikapelle und unterschiedlichen Märschen vor dem Minister
hisste er schließlich die Fahne während wir alle aufstanden und die indische
Nationalhymne gesungen wurde. Dass es für viele ein sehr emotionaler Moment
war, wurde in den Blicken und der allgemeinen Stimmung deutlich. Diese
Nationalnähe und Identifikation mit einem Land war mir zunächst sehr suspekt
aufgrund des in dieser Form nicht vorhandenen Patritismus in der deutschen
Gesellschaft. Nach verschiedenen Gesprächen mit den Mentoren der anderen
Freiwilligen im KKID war mir schon bewusst, dass der in Deutschland durch seine
Geschichte belastete Nationalismus nicht vergleichbar ist mit dem nationalen
Verständnis der Inder und Inderinnen, die wir bisher kennengelernt haben. Die
Identifikation mit einer Nation ist sicherlich von Land zu Land und Individuum
zu Individuum unterschiedlich. Dabei gibt es auch eine vollkommen andere
kollektive und individuelle Identifikation mit seiner Nation in verschiedenen
Ländern – begründet mit ihren geschichtlichen Hintergründen. Bei Betrachtung
der indischen Geschichte, genauer mit der erlangten Unabhängigkeit, ist für
mich in gewisser Weise der Umgang mit Nationalstolz verständlich. Die
Unabhängigkeitsbewegung war eine Bewegung die vom Volk selbst kam, etwas
Positives, Fortschrittliches, für die Bürger Essentielles. Die deutsche
Geschichte ist bekanntermaßen von so viel Gräueltaten und menschlichen
Schrecklichkeitsgedanken geprägt, dass es wohl, auch unserer Erziehung und
Bildung geschuldet, für mich und viele andere Deutsche kaum möglich ist, sich
mit seiner Nation und somit auch der Hymne in der gleichen Weise zu
identifizieren und einen Stolz aufzubringen wie es in anderen Ländern der Welt
eher vorkommt. Dieses Phänomen ist natürlich kein neu Entdecktes und auch schon
von vielen Anderen beschrieben, aber an dieser Stelle für mich relevant, um
meine subjektive Wahrnehmung des Erlebten so verständlich wie möglich zu
beschreiben.
Dasselbe Unwohlsein spürte ich,
als Schüler und Schülerinnen verschiedener Altersgruppen von unterschiedlichen
Schulen streng marschierten und die indische Flagge hochhielten. Zwar befanden
wir uns auf einer Veranstaltung der Polizei und der Militarismus war sicherlich präsenter als
bei anderen Feiern in Indien an diesem Tag, aber dennoch war es ein neues Bild,
das sich in meinem Kopf zusammenfügte.
| Marschierende Schülerinnen einer Mädchenschule |
| Urkunde für Satyavati und Bhumika für ihre Zusammenarbeit mit der Polizei |
Über den Militarismus und den
Nationalismus haben Gina und ich noch lange gesprochen und mich hat die
Feierlichkeit des Independence Days dazu bewegt, nicht direkt zu urteilen über
das individuelle oder kollektive Verhältnis von Nation zu Mensch. Außerdem habe ich mich intensiver mit Indiens Geschichte befasst - dazu gibt es einen eigenen Blogeintrag. In meinem
Kopf musste ich die bisher erlernte Schranke bei Seite schieben, um mich dem
anderen nationalen Verständnis geistig zu öffnen. Wieder einmal trifft weltwärts mit seiner Definition als
Lerndienst ins Schwarze.
Donata
Donata
| Die Tribüne der Polizeistation auf dem Polizeiübungsplatz |
| Tanzeinlage einer Schule |
| Rashmi |
| Rashmi erklärt uns die Arbeit der SHE Teams |
| Verleihung der Urkunde an Satyavati, Bhumika |
| Blumenbeschmückter Jeep des Ministers |
| Wir sind ein beliebtes Fotomotiv der Journalisten |
| Ein kleiner Snack zwischendurch |
| Marschierende Mädchenklasse |
1 Kommentare
Toll, dass ihr immer so ausführlich indische Gegebenheiten ausführlich und sachkundig beschreibt!!
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