Von Hyderabad und den Nizams



Hyderabad verbindet Tradition und Moderne, Islam und Hinduismus wie keine zweite indische Metropole. Im neuen Bundestaat Telangana in der Dekkan Hochebene gelegen, fungiert sie heutzutage nicht nur als Hauptstadt zweier Bundesstaaten - Telangana und Andhra Pradesh-, sondern auch als eines der indischen IT- Zentren. Nicht umsonst wird der neue Teil Hyderabads flapsig 'Cyberabad' genannt. Und gleichzeitig zeigt diese Stadt ganz deutlich ihre Geschichte, die von langer muslimsicher Herrschaft geprägt ist, in der Old City. So trägt Hyderabad beide Gesichter und ebenso beide Religionen in sich und doch sind sie innerhalb der Stadt recht klar getrennt. Zumindest ist das der Eindruck, den wir in unserer kurzen Zeit hier gewonnen haben.
Am ersten Tag nach unserer Ankunft haben wir uns erst einmal aufgemacht, ein bisschen mehr über die Geschichte der Stadt zu erfahren, in der wir unsere nächsten Monate verbringen. Rashmi - zu unserem Glück geschichtsliebend - nahm uns mit zu den Zeugnissen der Nizams Herrschaft in Hyderabad. Nizam war der Herrschertitel der Asaf- Jahi- Dynastie. Bevor diese die Herrschaft bis kurz nach der Unabhängigkeit Indiens 1947 ausübte, wurde Hyderabad vom muslimischen Herrscher Muhammad Quli Qutb Shah im 16. Jahrhundert gegründet und regiert.
Nizam VII https://i.ytimg.com/vi/AJY45BYIVw4/hqdefault.jpg
Die muslimischen Einflüsse auf die Architektur waren im Nizam's Museum und dem Nizam's Chowmahalla Palace natürlich nicht zu übersehen. Nach einer für uns doch noch abenteuerlichen Autofahrt durch den hiesigen Verkehr, der selbst in den Reiseführern Erwähnung findet, erreichten wir das Museum. Ein Bau aus hellem Stein, in dem wir vornehmlich die Geschenke allerlei Herrscher und wichtiger Personen aus aller Welt zum 25-jährigen Thronjubiläum des letzten Nizams bestaunen konnten. So eindrucksvoll all das Silber, Gold, Gestein auch war, trug es für uns alle drei trotzdem das Zeugnis großen Reichtums und Protzes der Herrscher in sich, der so in keinster Weise bei der Bevölkerung ankam noch eine ganzheitliche Geschichte dieser Stadt erzählt. 
Erstaunlich waren für mich die Putzeimer, die im Gang standen, und die Vitrinen und Fenster, die von Fingertapsen übersäht waren - ein Unterschied zu heimischen Museen und irgendwie erfrischend.
Nach einer guten Portion Lunch aus Tupperdosen - Curry, Sambar, Chapati, Reis - auf einer Bank zwischen Museum und einer Schule mit Fußballspielenden Jungs direkt gegenüber machten wir uns auf zum Chowmahalla Palace.






Ein Gelände mit noch schöneren und gleichzeitig auch noch protzigeren Bauten. Wir schlenderten durch Waffen - und Koranaustellungen und unterhielten uns sowohl über die Probleme von geschichtlicher Darstellung als auch die indische Männerwelt. Regelmäßig wurden wir von Menschen unterbrochen, die Bilder mit uns machen wollten. Was wir davon halten sollten, war uns noch nicht so recht klar. Dazu schreiben wir nochmal seperat. Die Aufmerksamkeit der Verkäufer auf der Bangles Road, über die wir zu unserem letzten Stop des Tages schlendern wollten, war dann doch etwas überfordernd. Dort wurde einem allzu deutlich vor Augen geführt, dass das hier wirklich eine sieben Millionen Stadt ist - nach offiziellen Zahlen.
Abends im Bett angekommen hinterließ dieser Tag das Gefühl, einen spannenden Bruchteil von Hyderabad gesehen zu haben, und doch noch nichts zu wissen von dieser vielfältigen Stadt. An wochenendtlichen Ausflugszielen mangelt es uns auf jeden Fall nicht. 
- Gina 
Ein Teil des Chowmahalla Palaces von außen...
...und von innen.




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